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Wir sind dann mal weg

Schlechte Nachrichten für Arbeitgeber: Wir haben sie in der Hand. "Wir" – das sind die Arbeitnehmer. Noch nicht besonders lang im Unternehmen, vielleicht nicht einmal besonders entscheidend für den Geschäftserfolg und vor allem nicht besonders abhängig von der aktuellen Anstellung. Denn "wir" können uns inzwischen nicht nur aussuchen, wem wir unser Talent zur Verfügung stellen. "Wir" entscheiden auch immer bewusster, welche Kriterien wir bei dieser Auswahl zu Grunde legen. Und hier kommen die ganz schlechten Nachrichten: Geld spielt dabei längst nicht mehr die alleinige Hauptrolle. Worauf es ankommt?

12.10.2022

Klar: Ein sicheres und gutes Einkommen hilft enorm dabei, sein Leben nach den eigenen Wünschen und Maßstäben zu gestalten. Und klar: Dieses Leben muss überhaupt möglich sein, deshalb in Balance zur Arbeitsbelastung stehen. Soweit so bekannt. Doch der Wunsch nach Gestaltung, das Anlegen der eigenen Maßstäbe ist längst nicht mehr auf das Privatleben beschränkt. Hier sind Arbeitgeber immer stärker, immer konsequenter gefordert für ein kongruentes Bild mit „unseren“ Vorstellungen zu sorgen.

Das geht nur mit einem ehrlichen, authentischen Recruiting, das bereits kulturelle Faktoren einschließt. Und diese vor allem ernst nimmt und nicht im letzten Bulletpoint in einem Nebensatz erwähnt. Damit der potenzielle Bewerber sich von der Aufrichtigkeit der kommunizierten Inhalte überzeugen kann, sollte ein Social Proof möglich sein. Ob auf einer darauf spezialisierten Plattform, einschlägigen Netzwerken oder den profanen Social Media Kanälen ist dabei egal. Was jedem Arbeitgeber bewusst sein sollte: „Wir“ kennen sie alle. Wer sich ihnen verschließt, ist anscheinend nicht Teil unserer Lebenswirklichkeit.

Social Proof funktioniert natürlich dann am besten, wenn er direkt durch die zukünftigen Kollegen erfolgt. Dann ist er glaubhaft. Dann wissen wir, dass das Recruiting keine leeren Versprechen macht. Dann ist klar, dass nach dem Recruiting, das vor allem auf das Wohl des Unternehmens abzielt, auch Employer Branding stattfindet, das das Wohl der Mitarbeitenden im Fokus hat. Für den einen oder anderen mögen es abermals schlechte Nachrichten sein, aber um die Wahrheit kommen wir nicht drumherum: Wenn Recruiting und Employer Branding nicht Hand in Hand gehen, gehen die Mitarbeitenden. Immer häufiger übrigens schon in der Probezeit, immer häufiger die designierten Führungskräfte. Ach, Fachkräftemangel – du kannst so grausam sein.

Employer Branding jetzt beginnen

Aber was macht das Thema momentan eigentlich so akut? Fachkräftemangel kennen wir doch schon lange (Übrigens schlechte Nachrichten: Richtig akut wird das Problem ab 2025). Was ist passiert, dass „wir“ Arbeitnehmer gerade jetzt heiß diskutiertes Thema sind? Ist die legendär anspruchsvolle Generation Z mit ihren komplett Boomer-inkompatiblen Ideen etwa komplett im Arbeitsmarkt angekommen? Nicht ganz. Vielmehr haben „wir“ in den letzten beiden Jahren branchenunabhängig festgestellt, dass wir im Rahmen unseres organisationalen Kontext systemrelevant sind. Und das macht selbstbewusst. Weshalb sich die HR-Abteilungen der großen Konzerne nun mit Mitarbeitenden beschäftigen müssen, die aufgrund ihren caninen Corona-Anschaffungen weiterhin im Home-Office bleiben wollen, bleiben müssen.

Wir wissen also, was wir wollen. Und wir wissen, dass wir wichtig sind. Damit die oben eingeforderte Kongruenz mit der Arbeitsrealität hergestellt werden kann, muss ein Unternehmen genau diese beiden Sätze ebenfalls von sich sagen können. Im Klartext: Was die Marke will, sollte in Mission und Vision formuliert sein. Warum die Marke wichtig ist, sollte in einem Purpose-Statement umrissen werden. Ohne diese strategischen Grundlagen keine Kommunikation nach Innen. Ohne dieses Fundament keine Strahlkraft in Richtung zukünftiger Mitarbeiter. Die investierte Zeit lohnt sich also. Sonst kann man aber immer noch Geld investieren – in höhere Löhne, Headhunter, den Ausgleich von verlorenem Wissen durch Fluktuation… Wir sind dann jedenfalls weg.

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