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Vero „true social“ – true story?

Sebastian Tammen
von Sebastian Tammen
/ 16.03.2018

Momentan polarisiert keine andere App so stark wie Vero. Bereits von vornherein ist das Social-Media-Netzwerk durch seinen Gründer Ayman Hariri in Kritik geraten. Denn der libanesische Milliardenerbe machte in der Vergangenheit mehrfach mit seiner ehemaligen Baufirma negative Schlagzeilen. Allerdings weist Vero selbst auch einige Schwächen auf, die es Usern schwermachen zu glauben, dass der Nutzer hier im Fokus steht, wie die App in ihrem „Manifest“ vermittelt.

 

One Hit Wonder?

Ende Februar 2018 stürmte Vero innerhalb weniger Tage die App Stores und stand auf Platz 1 der Gratis-Apps. Das allein ist nicht verwunderlich, jedoch gibt es Vero zu diesem Zeitpunkt schon seit über zwei Jahren. Der Hype lässt daher so einige Spekulationen zu: Ist die Unzufriedenheit mit anderen Social-Media-Kanälen wie Facebook und Instagram Grund für den plötzlichen Chartsturm oder hat doch eher eine ausgeklügelte Influencer-Kampagne zu steigenden Downloads geführt? Letzteres liegt näher, schließlich gab es eine gezielte Kampagne. Beweise, ob diese dafür bezahlt wurden, stehen jedoch aus. Auch die Tatsache, dass angeblich nur die ersten Millionen Nutzer ihren Account lebenslang umsonst in Anspruch nehmen kann, könnte eine Erklärung sein. Fakt ist, dass die Technik aufgrund des hohen Ansturms streikte. Durch überlastete Server funktioniert die App momentan nicht so reibungslos wie sie sollte. Das Resultat: Unzufriedenheit auf Seiten der Nutzer sowie der Hashtag „DeleteVero“. Aber auch hier stoßen User auf Widerstand, denn das Löschen des eigenen Accounts stellt sich als diffizil heraus.

 

Das Manifest – in Stein gemeißelt?

Auf der Website findet sich das Manifest, in dem die Gründer den Mehrwert der App und den sozialen Gedanken beschreiben. Unter dem Slogan „True Social“ wollen die Schöpfer das Teilen von Inhalten „noch realitätsnäher gestalten“.

Weiter heißt es:

„Wer kontrollieren kann, was genau, welche Person sieht, kann sich natürlicher Verhalten.“ Und das, so glauben die Gründer, „ist besser für Dich“. Der Authentizitätsgedanke spielt dabei eine große Rolle: „Ein soziales Netzwerk, in dem Du sein kannst, wer Du bist“. Die wesentlichen Vorteile der App, dessen Name übersetzt „Wahrheit“ bedeutet, werden wie folgt kommuniziert: „… for a Truly Social Network that celebrates people’s passions without algorithms, ads, or bots“.

Hier noch einmal die im Manifest kommunizierten Vorteile der App gegenüber anderen sozialen Netzwerken zusammengefasst:

  • werbefrei
  • keine Algorithmen; chronologischer Feed
  • Selbstbestimmung welche Follower, welche Posts sehen
  • kann mehr als nur Bilder und Videos posten
  • kann Produkte direkt kaufen

 

Reicht das aus, um zum Star zu werden?

Mittlerweile ist die Welle der Downloads wieder abgeklungen. Es stellt sich aber nach wie vor die Frage, ob die App auf Dauer eine Zukunft haben kann und wenn ja, wie diese aussieht. Mit wenigen Klicks können sowohl Inhalte gepostet als auch Buch-, Film- und Restaurantempfehlungen gegeben und Produkte direkt gekauft werden. Diese Mini-Reviews können für Influencer, Blogger und Shops interessant werden. Denn die Debatte um organische oder bezahlte Reichweite spielt bei Vero keine Rolle mehr. Das Forbes-Urteil über die App und ihre Bedeutung für Marken fällt hingegen knallhart aus: „Now if Apple or Google buy it, we will have a very different headline but for right now this is one resource stretcher no brand likely needs.“

Eine andere Debatte dreht sich um den Datenschutz. Nutzer treten die Rechte an den Inhalten, die sie posten, komplett an Vero ab. Nun muss man zur Verteidigung der App sagen, dass Vero hiermit nicht alleinsteht, denn auch User anderer Netzwerke müssen die Rechte an ihren Bildern an das Netzwerk übertragen, damit es diese auf der Plattform veröffentlichen darf. Ein anderes Manko ist die Tatsache, dass die eigene Telefonnummer für den Account preisgegeben werden muss.

Das Fazit

Vero trifft den Nerv der Zeit und reagiert auf den Schrei nach Transparenz. Ein echter Trendsetter ist die App aber nicht, da sie Instagram zu stark ähnelt. Ob das Netzwerk durch seinen zweifelhaften Gründer und die technischen Probleme eher in negativer Erinnerung bleiben wird oder die starke Polarisierung für Vero ein Vorteil ist und sie sich trotz dieser Schwierigkeiten als Star am App-Himmel etabliert, steht noch in den Sternen.

 

Quellen

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/vero-neue-soziales-netzwerk-app-nimmt-es-mit-facebook-auf-15471432.html
https://www.forbes.com/sites/paularmstrongtech/2018/02/26/why-you-shouldnt-put-your-brand-on-vero/#742eef674370
http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/vero-hype-was-taugt-das-soziale-netzwerk-von-ayman-hariri-a-1195763.html
https://www.vero.co

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