/ Blog

Unterwegs zuhause: Teil 2

Sebastian Tammen
von Sebastian Tammen
/ 25.05.2017

Web Developer, Art Director, Outdoor-Fan – Abenteurer. Patrick Oltrogge ist seit 12 Jahren überzeugter Kreativer und weiß: Echte Inspiration entsteht nicht im Großraumbüro, sondern in der Ferne. Ein Interview über einen stillen Designer, der Deutschlands Mittel- und Hochgebirge kennt, wie kaum ein Zweiter. Im Interview verrät uns Patrick, wie er sich als Marke neu erfindet und was ihn als Botschafter ausmacht.

Auf http://www.patrick-in-schottland.de/ berichtest Du ausführlich über Deine Trekking-Touren in den schottischen Highlands. Bleibt da überhaupt noch Zeit, den Moment an sich zu genießen? Oder ist der Antritt der Reise schon das eigentliche Ziel?

Abends, wenn sich der Tag gelegt hat, bleibt Zeit, ihn einmal in Revue passieren zu lassen. Meist im Zelt, während die unberührte Natur um einen herum für eine geheimnisvolle, abenteuerliche Stimmung sorgt. Mein Ziel ist es, hinterher sagen zu können: „Bäm, ich hab’s geschafft!“. Es ist ähnlich wie im Berufsleben: Wer immer dazu lernt, schafft es, die eigenen Grenzen zu erweitern und sein Können sich und anderen zu beweisen. Das stärkt nicht nur das eigene Selbstwertgefühl, sondern hilft auch im Umgang mit Problemen. So gesehen ist der Weg immer das Ziel. Ein Beispiel? Im April 2016 verletzte ich mich während des Skye Trails und der Durchquerung der sagenhaften Cuillin Hills am Knöchel. Viele meiner Kollegen hätten mir vermutlich geraten, die nächstgelegene Bergrettung zu alarmieren. Aber: Das war nicht mein Ziel. Stattdessen humpelte ich die letzten 16 km die Cuillin Hills hindurch, entlang des Klippenpfads bis ins kleine Örtchen Elgol. Und schaffte so den gesamten Skye Trail.

… und das wird von Deinen Fans sichtbar belohnt. Alleine auf Instagram folgen Dir über 6.000 Abonnenten, auf 500px.com zählst Du fast 30.000 Foto-Aufrufe. Wie erklärst Du Dir diesen Erfolg? Bist Du mit der aufgebauten Community / Reichweite zufrieden?

Das stimmt, ist aber auch harte Arbeit. In beiden Netzwerken teile ich meine Erlebnisse und die fotografischen Highlights meiner Abenteuer. Ich bemühe mich auch, auf allen weiteren Plattformen sehr regelmäßig aktiv zu sein. Die Aufnahmen sind nie gestellt, die Geschichten dahinter immer echt. Das merken die Abonnenten/Fans. Instagram eignet sich mit am besten für die stark visuell getriebene Eigenwerbung. In manchen Beiträgen verweise ich auch auf meine Schottlandseite. Aber das ist nur ein Teil. Ich beteilige mich natürlich auch, kommentiere die Werke anderer und unterhalte mich mit vielen befreundeten Instagrammern privat.

Dazu gehört auch, dass ich bis zu einem gewissen Punkt Einblick in mein Privatleben gewähre und über die tollen Augenblicken und Erlebnisse berichte. Denn viele nutzen Instagram auch als Inspirationsquelle für eigene Unternehmungen im Outdoor-Sektor. Andere wiederum sind einfach begeistert davon, was die Natur im Nahen und Fernen für wundervolle Eindrücke schafft.

Zufriedenheit ist immer relativ. Natürlich möchte ich meine Reichweite erhöhen und so viele Menschen wie möglich an meinen Erlebnissen teilhaben lassen. Aber ich weiß auch: Es braucht Zeit. Und kontinuierliches Engagement. Von „blackhat“-Techniken halte ich überhaupt nichts.

Neben Deinen eigenen Profilen bist Du auch auf Bergzeit und Bergwelten vertreten. Gehst Du Dein „Personal Branding“ strategisch an? Oder geht es Dir mehr um das Teilen der Leidenschaft an sich?

Ich versuche mich selbst als Marke nachhaltig zu entwickeln. Klar funktioniert das gerade in den sozialen Netzen selten nach Plan. Daher nutze ich weitere Kanäle, um auf mich und meine Impressionen aufmerksam zu machen. Wenn ich mir die Feeds so anschaue und sehe, wie viel meine Kollegen täglich posten, muss man schon ein wenig exhibitionistisch veranlagt sein, um überhaupt gesehen zu werden :). Egal ob auf Garmin, bei den Urlaubspiraten oder sonst wo: Ich möchte Menschen begeistern und sie inspirieren. Ein Fünkchen Eitelkeit schwebt da sicher auch mit. Und darf es auch :). Daher sind bereits weitere Interviews in verschiedenen Outdoor-Blogs geplant.

Die Marketinglandschaft ist bekannt dafür, immer wieder einzelne Begriffe zu hypen. Welchen Stellenwert haben Influencer und Content Marketing für Dich?

Influencer sind 2017 fast schon wieder ein negativ behafteter Begriff. Ich sehe mich und viele andere Instagrammer, Blogger und auch YouTuber eher als Botschafter, denn als „Meinungsmacher mit eigener Agenda“. Klingt ziemlich hochgestochen. Ist aber nicht so gemeint. Wir bringen anderen Menschen das näher, was uns selbst bewegt, lassen sie an dem teilhaben, was uns begeistert und empfehlen eine Marke oder ein Produkt dann, wenn wir es selber nutzen und davon überzeugt sind. Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die für kleines Geld alles an die Frau und den Mann zu bringen versuchen, was ihnen angeboten wird.

Würdest Du Dich als Influencer beschreiben?

Für meine letzte Trekking-Tour in den schottischen Highlands, dem Cape Wrath Trail, habe ich mich mit einem bekannten Hersteller von Rucksäcken und einer breit aufgestellten Outdoor-Bekleidungsmarke arrangiert. Ich war von beiden Produkten so begeistert, dass ich auch jetzt noch darüber berichte und die entsprechenden Marken weiterempfehle – eine win-win-Situation, würde ich behaupten. Macht mich das jetzt zu einem Botschafter? Ich möchte behaupten: Ja! Aber auf keinen Fall zu einem Meinugsmacher oder -beeinflusser.

Welchen Stellenwert hat das Thema Sponsoring für Dich?

Derzeit arbeite ich für eines meiner neuen Projekte auf ein echtes Sponsoring hin. Statt einer einzigen Trekking-Tour wird es alle meine Wanderungen und Abenteuer in der lokalen Wildnis zusammenbringen. Entsprechend größer fällt auch die Zielgruppe bei diesem Projekt aus. Um Deine Frage zu beantworten: Content Marketing ist hier das A und O meines Vorhabens. Gerade in diesem Nischensektor dienen gute, qualitative Inhalte als starker Multiplikator, Magnet und in vielen Fällen auch als Garant für einen großen Erfolg.

Darüber hinaus gehören Markenbotschafter in einer ganzheitlichen Kampagne zur Markenbildung und -revitalisierung einfach dazu. Natürlich immer in direkter Abhängigkeit von der Zielgruppe. Hier eigenen sich die Bereiche Beauty, Jugendmarketing, Outdoor und Sport besonders gut. Zwei dieser Bereiche decke ich mit meinem Content bereits jetzt und auch in Zukunft ab.

Welche Projekte stehen demnächst an?

Das oben genannte Projekt ist erstmal für den Spätherbst angesetzt. Außerdem sitze ich an „Patrick on tour“, einem Projekt, bei dem ich als Person erstmals selbst als echte Marke in Erscheinung trete. Neben den winterlichen Erlebnissen in den Mittelgebirgen darf sich die Community auch auf eine einzigartige Iglu-Übernachtung auf der Zugspitze freuen. Wenn ich schon drüber rede, habe ich sofort Lust aufzubrechen!

Auf welche kreativen Trends sollten sich Unternehmen Deiner Meinung nach in diesem Jahr einstellen?

Einem Trend nachzueifern würde ich nur sehr bedingt und absolut branchenabhängig empfehlen. Echte, nachhaltige und Eindruck-schaffende Kreativität lässt sich durch aktuelle Stile und Strömungen unterstützen, passt sich aber keiner expliziten Richtung an.

Ich beobachte es im Web-Umfeld: Immer mehr Seiten sehen sich immer ähnlicher. Gleicher Stil, ähnliche Funktionalität, wenig Originalität. One-Pages, Flat-Designs, Parallax-Scrolling und Burger-Menüs sind hier die Lieblinge. Jedes für sich ein großer, eigener Trend aus den letzten Monaten und Jahren. In Kombination und mit einer ganz eigenen Note können und müssen sie etwas Besonderes entstehen lassen. Ich finde, dass sich die Werbebranche im Allgemeinen – letztlich auch die Unternehmen – sich auf das besinnen sollten, was sie im Kern am besten können: Kreation, die Marken, Unternehmen und Produkte auf ganz eigene Art und Weise zur Geltung kommen lässt. Und definitiv nicht austauschbar ist.

Vielen Dank für das Interview!

Mehr über Patricks Werdegang, seinen Beruf und sein Hobby im ersten Teil unserer Interview-Serie.


Patrick Oltrogge ist gelernter Mediengestalter Print/Digital und erfahrener Senior Web Developer. In seiner Freizeit ist der gebürtige Hannoveraner im In- und Ausland als Trecking-Experte unterwegs, teilt seine Impressionen auf Instagram und war bereits Markenbotschafter für diverse Ausstattungsfirmen.

 

 

Diesen Beitrag teilen:


Weitere Beiträge


/Blog

What’s up, WhatsApp?

In einem früheren Blog-Beitrag haben wir das Thema Werbung bei WhatsApp bereits behandelt. Jetzt hat der Social-Network-Riese aus dem Silicon Valley Nägel mit Köpfen gemacht: Ab Februar 2019 werden die ersten Werbeanzeigen im Status-Bereich und als Direktnachricht von WhatsApp geschaltet. Das hat jetzt Facebooks Vizepräsidentin für Globale Marketingstrategien, Carolyn Everson, in einem Interview bestätigt.
/News

Wohnbauprojekt Kronsrode: Zukunfstvisionen vermitteln

Das Wohnbauprojekt Kronsrode ist jetzt eine Marke. Mit dem Claim „Draußen in der Stadt.“ sollen Menschen angesprochen werden, die Freiräume suchen und die Natur wertschätzen, aber gleichzeitig das urbane Leben der Innenstadt lieben.
/Blog

Werbung auf WhatsApp – Fluch oder Segen?

Bei dem Messengerdienst WhatsApp tut sich etwas! Und wir als Markenagentur werden diese Neuerung mit Spannung erwarten. Werden wir unser Hauptaugenmerk in Sachen BRANDmanagement auf eine neue Form des Social-Media-Marketings legen müssen? Ergeben sich für Marken neue Chancen? Oder ist Werbung bei unserem Lieblingsmessenger der Anfang vom Ende? Über diese Fragen werden wir in unserer Agentur mächtig diskutieren müssen. 
/News

Bild schön – die neue Website der Heimkehr

Zeitgemäß, responsiv, intuitiv – die neue Website der Heimkehr besticht durch ein modernes Design, das Platz für einen hohen Bild- und Bewegtbildanteil bietet. Neben dem einzigartigen visuellen Erlebnis stand beim Relaunch der Website eine klare Navigationsstruktur im Vordergrund. So sind für die Mitglieder zu jeder Zeit alle Informationen kinderleicht erreichbar.