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Unterwegs zuhause: Teil 1

/ 16.05.2017

Web Developer, Art Director, Outdoor-Fan – Abenteurer. Patrick Oltrogge ist seit zwölf Jahren überzeugter Kreativer und weiß: Echte Inspiration entsteht nicht im Großraumbüro, sondern in der Ferne. Ein Interview über einen stillen Designer, der Deutschlands Mittel- und Hochgebirge kennt, wie kaum ein Zweiter. Im Interview verrät uns Patrick, warum Linearität nicht immer zum Ziel führt und wie er Beruf und Hobby unter einen Hut bringt.

Glaubt man Google, wohnst Du im beschaulichen Gehrden, unweit der Haferheide und mit gerade einmal 15.000 Einwohnern. Wer ist eigentlich Herr Patrick Oltrogge? 🙂

Gute Frage. Das Erschreckende und Nützliche zugleich ist ja, dass es kaum etwas gibt, was Google nicht weiß. Sobald dieses Interview also indiziert ist, wird die ganze Welt wissen, dass ich unweit meiner aktuellen Wahlheimat in Hannover-Wettbergen als einziger Sohn meiner Eltern in einer Eigentumswohnung in der Berliner Straße aufwuchs. Ziemlich irre. Heute bin ich begeisterter Web Developer, ein vermutlich eher semi-professioneller Fotograf und absolut exzessiver Outdoor Junkie.

Vom Mediendesigner „Nonprint“ zum Senior Web Developer ist es ein ganz schöner Sprung. War das eine lineare Entwicklung? Oder bist Du einfach Deinem Instinkt gefolgt?

Sicher wäre es an dieser Stelle etwas zu einfach, von Linearität zu sprechen. Denn die wenigsten würden wohl annehmen, dass mein beruflicher Werdegang im Groß- und Außenhandel begann. Das war damals ein logischer Schritt, da ich dank der Fachoberschule Wirtschaft so eine kaufmännische Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen konnte. Allerdings war das so gar nicht mein Ding. Daher ging es nach bestandener Prüfung erstmal zum Bund. Zwei Jahre, als Zeitsoldat. Nennen wir es ruhig meine Findungsphase. Die starren Strukturen des Militärs engten mich gedanklich zwar ein, halfen mir aber auch, mich an meine frühen Anfänge mit Visual Basic zu erinnern.

Ich muss  gerade einmal 12 gewesen sein, als mir mein Vater, damals Leiter eines Rechenzentrums, die ersten Codezeilen beibrachte. Diese Erinnerung und ein paar weitere Zwischenstopps halfen mir schließlich, meinen Berufswunsch zu definieren: Mediengestalter wollte ich werden. Für Web. Gedacht, getan. Nach Abschluss meiner Ausbildung wurde ich übernommen und verantwortete den gesamten Bereich „Web“ selbst.

Mit den Jahren wuchsen die Anforderungen an mich und an die Projekte, so dass ich mir JavaScript und PHP quasi „on-the-job“ aneignete. Das klappte vor allem deswegen, weil ich echte Freude daran hatte, selbst etwas zu erschaffen und es von 0 auf 100 zum Funktionieren zu bringen. Ab und an verdiente ich mir schon während der Ausbildung etwas dazu, indem ich kleine Gimmicks für Forenbetreiber erfand. So entstand unter anderem auch der damals berühmte Terrarienrechner für verschiedene Reptilien Boards. Heute kräht da aber kein Hahn mehr nach :).

Auf Deiner Website schreibst Du „Seit 4.433 Tagen biete ich betreutes Werben an“. Nimmt sich die Werbebranche manchmal selbst etwas zu ernst? Welche Rolle spielt der Humor bei Deiner kreativen Arbeit?

Absolut. Allzu oft erleben wir in unserer Branche, dass Kreativität durch kaufmännische Überlegungen und den Drang gebremst wird, eine zumeist fremde Erwartungshaltung erfüllen zu wollen. Man möchte seriös und erfahren wirken und möglichst kompetent und anpassungsfähig daherkommen. Keine Frage: Ernsthaftigkeit und Kompetenz und auch die Fähigkeit, wirtschaftlich zu denken sind alles andere als unwichtig. Noch wichtiger ist jedoch gerade als Kreativer sich seine kreative Ader zu bewahren und Spaß an der täglichen Arbeit zu haben. Verlieren wir eines von beiden, schränken wir unsere eigene Entwicklung massiv ein. Und wirken obendrein auch noch bieder :). Glücklicherweise habe ich die Chance, mich in den vielen kleinen Details und Spielereien meiner Arbeit jeden Tag aufs Neue zu verlieren – im besten Sinn.

Was gefällt Dir besonders an Deinem Beruf?

Um ehrlich zu sein: Es ist die Mischung aus Gestaltung und Umsetzung, die mir persönlich sehr gefällt. Es macht mich glücklich und stolz etwas zu schaffen, das anderen Menschen hilft, das sie begeistert oder das einfach so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Auch Aufträge, bei denen die Lösung nicht sofort offensichtlich ist, reizen mich sehr. Das hilft mir, an die Grenzen meiner eigenen Fähigkeiten zu gehen – und meistens darüber hinaus. So lerne ich Neues. Im Kern bin und bleibe ich aber leidenschaftlicher Umsetzer.

Und wo holst Du Dir den (nötigen) Ausgleich?

Der Ausgleich zum Büroalltag – denn streng genommen ist es das ja – bilden definitiv die verschiedenen Reisen, Wanderungen, Abenteuerurlaube und Trekking-Touren in den heimischen und – seit 2016 – auch in internationalen Gefilden. Und wenn mir das nicht reicht, bin ich im Social Web unterwegs oder gehe dem Webdesign nach. Passt nicht zusammen? Finde ich schon. Schließlich möchte ich Menschen, die Freude am Wandern und an Abenteuern haben, auch an meinen Erlebnissen, den Geschichten und den Impressionen teilhaben lassen.

Wie vereinbarst Du Dein Hobby mit Deinem Beruf?

Ich bemühe mich beides weitestgehend zu trennen, sofern es der Beruf erlaubt. Aber wie es so häufig ist, gilt es auch nach Feierabend, am Wochenende oder gar im Urlaub noch für die Agentur zu arbeiten. In diesem Fall stecke ich weitestgehend zurück, habe aber meist ausreichend Zeit für meine privaten Projekte und für kleine und große Abenteuer.

Neben Deinem regulären Job hast Du Dich auch der Fotografie verschrieben – und hast so gut wie jeden Gipfel Deutschlands bestiegen. Was treibt Dich regelmäßig auf die Spitze(n)?

Eine weitere gute Frage :). 2011 war das Jahr, indem ich den Nerd gegen den Abenteurer eintauschte und mich neu erfand. Schwarze, knöchelhohe Chucks, allenfalls städtetaugliche Ausrüstung und fesher Trekking-Rucksack – und ab durch den Schwarzwald. Ich glaube in dem Jahr habe ich endlich aktiv für mich entdeckt, was ich als Fan großartiger Natur- und Abenteuerdokumentationen schon immer als Inspiration aufgesogen habe. Ich dachte mir: Warum eigentlich nicht? Bald darauf kaufte ich mir die ersten echten Wanderschuhe und fing an, meine Kamera mit auf Reisen zu nehmen. Denn kreative Fotos, meist Nacht- und echte HDR Aufnahmen, waren schon damals eine große Leidenschaft von mir. Seither besuche ich regelmäßig den Schwarzwald, aber auch das Allgäu, den Harz und Berchtesgaden. Aktuell trifft man mich häufig im Teutoburger Wald und dem Wiehengebirge, rund um Bielefeld und Bünde. Auch, wenn ich den Harz und den Schwarzwald nahezu auswendig kenne, gibt es noch den ein oder anderen Gebirgszug, den es noch zu erkunden gilt.

Ist Patrick auch online aktiv? Welche Projekte stehen in der kommenden Zeit an? Und vor allem: Was bedeutet es ein Markenbotschafter zu sein? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibts im zweiten Teil unserer Interview-Serie.


Patrick Oltrogge ist gelernter Mediengestalter Print/Digital und erfahrener Senior Web Developer. In seiner Freizeit ist der gebürtige Hannoveraner im In- und Ausland als Trecking-Experte unterwegs, teilt seine Impressionen auf Instagram und war bereits Markenbotschafter für diverse Ausstattungsfirmen.

 

 

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