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Nachhaltig kommunizieren: Teil 2

Sebastian Tammen
von Sebastian Tammen
/ 08.06.2017

Organisator, Coach, Psychotherapeut – Moderator. Jan Theofel hat 2008 das erste deutsche Barcamp in Stuttgart moderiert und wusste sofort: Barcamps sind das Kommunikationsformat der Zukunft. Inzwischen ist Jan hauptberuflicher Barcamp-Moderator und führt jedes Jahr eine Vielzahl von Barcamps unterschiedlichster Couleur durch. Sein Credo: Ein Barcamp funktioniert immer dann, wenn die Teilnehmer am Ende mehr mitnehmen als sie mitbringen.

Im Interview sagt uns Jan, warum „New Work“ mehr als ein Modewort ist und wie wichtig Kooperationen sind.

Hast Du persönlich einen Bezug zum Thema „New Work“? Steckt da ein nachhaltiger Ansatz dahinter? Oder ist es der verzweifelte Versuch, der monotonen Arbeitswelt etwas frisches Leben einzuhauchen?

Für mich ist „New Work“ weit mehr als ein Modetrend. Es ist für mich eine Notwendigkeit. Gerade aus meiner Arbeit im Bereich Coaching und Therapie habe ich Einblicke bekommen, was mit Menschen passiert, die unter „klassischen“ Arbeitsbedingungen leiden. Wenn wir existenziell abgesichert sind – und das sind wir in Deutschland – dann streben wir nach Sinn, nach Werten und nach Selbstverwirklichung. Diese müssen auch in der Arbeit erfahrbar sein.

Davon profitieren auch wieder die Unternehmen. Denn was könnte besser für die Produktivität sein, als Menschen, die glücklich, selbstorganisiert und engagiert ihrer Arbeit nachgehen?

Aber bei vielen Unternehmen gebe ich Dir natürlich Recht: Da wird etwas Neues kommuniziert. Aber eben nur kommuniziert und nicht gelebt. Das ist zum Scheitern verurteilt.

Übrigens ist das Barcamp-Format auch „New Work“: Menschen engagieren sich, übernehmen Verantwortung für eigene Themen, sind alle gleich, organisieren sich selbst, … Hier kann all das erlebt werden!

Glaubst Du, dass ähnliche Erfahrungen auch zu einer wichtigen Experience interaktiver AgenturCamps werden könnten?

Du meinst einen völlig dunklen Session-Raum? Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Das wäre sicher mal ein spannendes Experiment im Sinne eines optimalen Rahmens. Denn es wäre absolut ungewohnt und würde den Teilnehmern eine vollkommen neue Erfahrung bieten. Das sollten wir uns mal überlegen…

Du bist es gewohnt, branchenübergreifend zu arbeiten. Mit Hans-Gerhard Kühn und dem AgenturCamp hat es Dich diesmal in die Kreativbranche verschlagen. Wie schaffst Du es, Deinem eigenen Format dennoch treu zu bleiben?

Es scheint so zu sein, dass diese Kommunikationsart tief in uns verwurzelt ist. Das beobachte ich vor allem, wenn ich mit Kindern und jungen Menschen auf Barcamps zu tun habe. Sie kommunizieren noch sehr offen, machen selbstverständlich Angebote und fragen, wer sich ihnen anschließt. Wir haben diese Form der Kommunikation nur verlernt und müssen wieder daran erinnert werden. Daher funktioniert das Barcamp-Format auch mit jeder Zielgruppe, weil es so natürlich für alle ist. Entsprechend bleiben die Grundprinzipen immer gleich.

Aber je nach Zielgruppe setzen wir natürlich verschiedene Rahmen. Denn weil wir als Barcamp-Veranstalter und -Moderatoren keinen Einfluss auf die Inhalte nehmen, entscheiden die anwesenden Teilnehmer über die Qualität der Themen. Wir schaffen die optimale Umgebung für einen optimalen Austausch – und laden die „richtigen“ Menschen ein. Gerade daher sind die Zusammenarbeit von Menschen wie Hans-Gerhard, der die Branche perfekt kennt, und mir, der das Format Barcamp perfekt kennt, so fruchtbar.

Besonders im digitalen Agenturalltag wünschen sich manche Entschleunigung. In einem Selbstversuch bist Du noch einen Schritt weiter gegangen und hast 10 Tage in absoluter Dunkelheit verbracht. Wie hat Dich diese Erfahrung geprägt? Beeinflusst sie Deine Wahrnehmung zu Themen wie Persönlichkeit, Gesundheit und Arbeit?

Unbedingt! In dieser Zeit habe ich vor allem wahrnehmen können, wie viel wir versuchen zu kontrollieren und wie wenig wir in Wirklichkeit kontrollieren können. Die Erinnerung daran hilft mir sehr stark, den Prozess laufen zu lassen und wirklich für jedes Ergebnis offen zu sein.

Aber ich habe auch viele andere Dinge gelernt: Etwa, wie anstrengend das Schreiben einer E-Mail ist. Oder wie gut unser Organismus für sich sorgt, wenn wir ihn das tun lassen. Beispielsweise wurde meine Essensauswahl in dieser Zeit extrem sensibel. Da sind wir wieder bei dem Punkt, dass wir am besten für uns selbst sorgen können – wenn wir Umgebungen haben, die das zulassen.

Hast Du eine goldene Regel als Moderator?

Ich habe zehn goldene Regeln. Aber zwei sind besonders wichtig:

Zum einen: Es geht immer um die Teilnehmer. Sie stehen bei jedem Barcamp im Mittelpunkt. Auch dann, wenn wir beispielsweise bei unternehmensinternen Barcamps ganz spezifische Ziele verfolgen.

Zum anderen: Ich muss vorleben, was ich mir von den Teilnehmern wünsche. Werte kann man nicht erklären, man kann sie nur vorleben. Daher ist meine innere Haltung das allerwichtigste in der Moderation.

Vervollständige bitte diesen Satz: Es war eine gelungene Veranstaltung, wenn …

… alle Teilnehmer so viele Anregungen und Kontakte mitnehmen, dass sich ihr Einsatz von Zeit und Geld für den Tag mehr als gelohnt hat.

Im ersten Teil des Interviews erzählt uns Jan, warum die Barcamp-Moderation eine seiner größten Leidenschaften ist und woran man ein gutes Barcamp erkennt.

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