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Nachhaltig kommunizieren: Teil 1

/ 01.06.2017

Organisator, Coach, Psychotherapeut – Moderator. Jan Theofel hat 2008 das erste deutsche Barcamp in Stuttgart moderiert und wusste sofort: Barcamps sind das Kommunikationsformat der Zukunft. Inzwischen ist Jan hauptberuflicher Barcamp-Moderator und führt jedes Jahr eine Vielzahl von Barcamps unterschiedlichster Couleur durch. Sein Credo: Ein Barcamp funktioniert immer dann, wenn die Teilnehmer am Ende mehr mitnehmen als sie mitbringen.

Im Interview erzählt uns Jan über seine Berufswahl, über seine Motivation und darüber, was ein gutes Barcamp ausmacht.

Du bist der erste hauptberufliche Barcamp-Moderator und -Organisator. Was hat Dich dazu bewegt, diesem Format so viel Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken – und es letztlich auch zu deinem Beruf zu machen?

Ursprünglich komme ich aus dem IT-Bereich. Darüber bin ich früh in Kontakt mit Blogs und Social-Media gekommen, dem Umfeld aus dem Barcamps ursprünglich auch stammen. Neben einigen beruflichen Veränderungen habe ich auch eine Ausbildung als Coach und Psychotherapeut hinter mir. All das war begleitet von meinem Engagement für Barcamps. Vor vier Jahren durchlief ich selbst ein Coaching mit dem Ziel meine berufliche Zukunft zu klären: Nur noch eine Sache zu machen, die dafür aber exzellent.

Dabei war schnell klar: Ich will etwas machen, was ich von ganzem Herzen liebe und worin ich einen tieferen Sinn sehe. Also traf ich die Entscheidung, mich vollständig auf Barcamps zu fokussieren.

Ich glaube wir brauchen für unsere Gesellschaft mehr Formate wie Barcamps. Es bringt uns persönlich, als Organisationen und als Gesellschaft weiter. Daher sehe ich es als meine Mission, das Barcamp-Format als generellen Standard für Zusammenkünfte von Menschen fest zu etablieren.

Du organisierst Barcamps seit fast 10 Jahren in ganz Deutschland. Nur wenige haben dabei soviel Einblick in die Entwicklung dieses Formats gehabt wie Du. Wie lautet Dein Fazit? Gab es Höhen und Tiefen? Wo siehst du das Format in den nächsten 10 Jahren?

In der Tat haben wir dieses Jahr das 10. Barcamp Stuttgart, das ich seit dem ersten Mal moderiere. Wie viele andere ist es ein offenes Barcamp, bei dem über alle Themen gesprochen werden kann. Allerdings liegt der Fokus hier ganz klar auf Social Media.

Seit einiger Zeit bewegen sich Barcamps aus der „Nerd- und Technik-Ecke“ heraus – das ist ein ganz wesentlicher Trend, den ich selber mitgestaltet habe und gerade miterlebe. Heute wenden wir das Format ganz selbstverständlich für Einkaufsleiter, Geschäftsführer, Agenturen, Wissenschaftler, Studenten und viele andere an. Dabei haben die Themen dann oft auch gar nichts mehr mit der digitalen Welt zu tun.

Aktuell haben wir mehr als 150 offene Barcamps pro Jahr im deutschsprachigen Raum zu den verschiedensten Themen. Einen Überblick darüber findet man beispielsweise auf www.barcamp-liste.de. Dazu kommen natürlich eine unbekannte Anzahl an internen Einsätzen des Formats, die dort nicht gelistet sind.

Meiner Meinung nach wird dieser Trend definitiv anhalten und für immer mehr Branchen und Themen angeboten werden. Ich hoffe, dass mein Wunsch in Erfüllung geht und einfach sehr viele Menschen Barcamps als ganz selbstverständliche Kommunikationsform kennenlernen.

Du warst von Anfang an aktiv im Social Web. Nebenbei hast Du das Barcamp in Stuttgart begründet und bist ein Paradebeispiel für die duale Entwicklung von Netzwerken. Wie wichtig ist die Mischung aus digitaler Vernetzung, persönlichen Kontakten und aktivem Doing in den Sessions?

Ich glaube an eine Kombination aus digitaler Welt und dem persönlichen Kontakt! Über die digitalen Kanäle erreichen wir viele Menschen, können zeitversetzt kommunizieren und so weiter. Das ist absolut unverzichtbar für die Kommunikation!

Aber ist es nicht bezeichnend, dass genau jene Menschen, die sich mit dieser Technologie perfekt auskennen, das Format Barcamp geschaffen haben, um sich persönlich auszutauschen? Ich glaube daran, dass ein Ort an dem wir uns wirklich physisch treffen nie vollständig durch Technologie ersetzt werden kann.

Aktives Doing in den Sessions ist für die Teilnehmer der Schlüssel zu vielen wertvollen Kontakten und Ideen bei Barcamps. Als Moderator vermisse ich den Teil ein wenig, da ich nur noch selten dazu komme, selbst an den Sessions teilzunehmen.

Das in Hannover stattfindende AgenturCamp steht ganz unter dem Motto New Work. Du selbst bist schon mit Formaten vielen anderen Barcamp-Formaten gestartet. Wo glaubst Du liegen die Stärken des Agentur- und Bar Camp Formates speziell für Hannover?

Für mich liegt die Stärke in dem klaren Fokus auf die Agenturbranche. Es gibt wohl kein anderes Event, bei dem sich augenscheinliche Konkurrenten so offen und ehrlich austauschen. Das führt im besten Fall nicht nur dazu, dass wir unglaublich viel voneinander lernen und ganz viele neue Impulse sammeln. Es führt vor allem dazu, dass wir unsere verschiedenen Stärken und Schwerpunkte erkennen und in Sessions erleben, wie Kooperation und Co-Kreation uns alle viel weiter bringt, als wir es alleine schaffen würden.

Wie sagen wir so schön? Die Summe ist mehr als die Summe der Teile. Und je mehr Agenturen direkt aus Hannover teilnehmen, desto mehr kann das AgenturCamp auch als Motor für die ganze Agenturbranche in Hannover dienen. Eine großartige Chance, von der ich hoffe, dass sie von den Hannoveraner Agenturen angenommen wird.

Im zweiten Teil des Interviews erfahren wir, was Jan vom Thema „New Work“ hält und welchen Einfluss es auf seine Arbeit als Moderator hat.

Jan Theofel ist als 1980 Geborener ein Teil der berüchtigten Generation Y. Er sucht nach Sinn im Leben und in der Arbeit. Seit vier Jahren ist er einziger hauptberuflicher Barcamp-Moderator und Barcamp-Veranstalter in Deutschland. Seine Kunden sind neben Eventveranstaltern vor allem Unternehmen, die Barcamps mit ihren Mitarbeitern durchführen (www.theofel.com). Alle Content-Bilder wurden mit freundlicher Genehmigung von Michael M. Roth verwandt.

 

 

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