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Die Webseite ist tot. Es lebe die Website!

Sebastian Tammen
von Sebastian Tammen
/ 07.11.2016

Ist die Website tot? Das ist eine Frage, die sich jedes Unternehmen stellen sollte. Und jeder Marketingleiter. Denn wenn sie tot ist, hat sie keinen Platz in einem modernen, agilen Marketing-Mix. Ist sie jedoch lebendig, könnte sie sogar mehr Einfluss auf den direkten Kaufprozess haben als jeder andere Kanal. Ein Kommentar.

Spätestens seit den ersten Homepage-Baukästen galt die Website als individuelle Visitenkarte, die 24/7 verfügbar ist und alle wichtigen Informationen übersichtlich und sinnvoll organisiert. Auch heute noch nehmen viele Menschen die Website als wichtigstes Aushängeschild einer selbstbewussten, modernen Marke wahr. Doch stimmt das auch in der Praxis?

Ich meine: Ja. Aber: Die Website darf nicht nur eine Desktop-Website sein. Sie muss künftig geräteunabhängig funktionieren können – nicht responsiv, sondern adaptiv –, um den gestiegenen Anforderungen der Informationsgesellschaft und der Generation „Lead“ genügen zu können. Zwar ersetzen „mobile“ viele Apps die klassische Website. Und das ist in puncto Usability und Speed auch vollkommen richtig. Allerdings nutzen weit weniger Menschen eine gebrandete App als eine gebrandete Website, um sich über ein Produkt oder eine Dienstleistung zu informieren.

Während die Social Media Plattformen in vielen Fällen nicht nur schlankere Prozesse und einfacheres Targeting als klassische Websites bieten, regulieren sie auch den Zugang zu Daten, schränken die eigene Kontrolle massiv ein und funktionieren meist nur in einem werbegestützten Umfeld. Während Social Media ein differenziertes Toolset an „pre-made“ Maßnahmen anbietet, punktet die klassische Website vor allem durch „full customizability“. In jedem Schritt des Content-Lebenszyklus.

Ist die Website also tot?

Nein.

Sie ist lebendiger denn je und bietet viele, einzigartige Vorteile.

 

Mehr Flexibilität

  • Auf der eigenen Seite hat man maximale Möglichkeiten, die eigene Marke zu positionieren und die User Journey zu gestalten. Das Design, der Inhalt, die Botschaft – alles kann der eigenen Anspruchsgruppe entsprechend ausgerichtet und analysiert werden. Im Vergleich dazu bieten viele Social Media Plattformen – ebenso wie Print – nur eine überschaubare Anzahl an Metriken und Möglichkeiten, die Kundenerfahrung maximal zu individualisieren. Denn auch hier gilt: Die Datenhoheit ermöglicht es erst, den Nutzer und seine Suchintention exakt abzuholen und mit den passenden (eigenen) Inhalten zu verknüpfen.

Größere Stabilität

  • Die eigene Website ist nicht nur das Aushängeschild eines erfahrenen Unternehmens, sondern bietet auch die volle Kontrolle über die eigenen Inhalte. Dies bedeutet zwar auf der einen Seite, dass mehr Anpassungsarbeit und IT-Kenntnisse notwendig sind, um die Site dauerhaft aktuell zu halten. Auf der anderen Seite bietet es aber die Chance, viele technische Parameter wie Ladezeit (Google AMP), Platzbedarf oder die Integration von Drittanbietern flexibel steuern und das Umfeld bewusst beeinflussen zu können. Oder haben Sie schon einmal eine Facebook-Seite gesehen, die die exakten Suchtermina ihres Kunden in einer eigens kreierten Landing-Page integrieren konnte?

Individuelle Inhalte

  • Immer mehr Social Media Plattformen (darunter Facebook mit den Instant Articles und Twitter mit der Aufhebung des 140-Zeichen-Limits) erkennen den Wert des Corporate Publishings und wollen damit die Hoheit über Inhalte, Themen und Trends erhalten. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch: Eine eigene Website ermöglicht es, sich selbst als Meinungsführer zu positionieren und kontinuierlich mehr Reichweite und Interaktion zu generieren – ganz gleich, ob Nischensegment oder Global Player. Denn: Die Website kann, darf und sollte regelmäßig relevante Inhalte veröffentlichen und als zentrales Element eines kohärenten Markenkosmos alle weiteren Kanäle verknüpfen. Nur so werden potentielle Kunden über den gesamten Buyers Funnel angesprochen, abgeholt und integriert.

Die Website ist der First Point of Contact. Das Ziel: Der Kunde soll geführt und geleitet werden – ohne dabei bevormundet zu werden. Und dieses Ziel erfüllt sie laut dem Global Index Report sehr gut: Rund 22 % der amerikanischen Onliner sehen sich den SoMe-Account einer Marke an – über 60 % die korrespondierende Markenwebsite. Ähnliche Werte gelten für den eurasischen Raum.

 

Es gilt also mehr denn je: Das Silo-Denken muss aufhören und vernetztes Denken anfangen. Nur dann kann eine Marke digital ganzheitlich auftreten und sich souverän inmitten eines Marktes platzieren, der bereits jetzt auf einen regelrechten Content-Shock zusteuert.

Der vernetzte Mensch recherchiert heute mehr denn je im Netz – und das mit einer Filigranität und Treffsicherheit, die dem Marketing ungeahnte Möglichkeiten bietet. Über die Hälfte der deutschen Internet-User besuchen laut einer Bitkom-Studie vor dem Kauf die Website des Anbieters, um mehr über das Produkt zu erfahren. Insofern ist es gut möglich, dass Ihre künftigen Kunden zuerst auf Google – und damit im Web – nach Ihnen suchen, bevor Sie einen der Social Media Kanäle ansteuern.

Genau hier liegt das ungeheure Potential der eigenen Website.

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